Wechselbalg

„Die Welt is im Arsch, Alter. Ich mein‘, sieh dir die Leute an. Wie sie jeden Tag rumrennen und ihren Scheiss erledigen, und glauben das und die Rechnungen sei das Schlimmste was ihnen passieren kann. Wenns regnet fangen sie an sich zu beschweren, und wenn sie in Hundekacke treten, kriegen sie gleich nen Anfall. Mann, die haben keine AHNUNG was wirklich vorgeht da draussen!“
Das Tonband knackte und rauschte als der Sprecher sich erhob und einige Schritte machte, vermutlich um aus dem Fenster zu sehen. Plätschern erklang, ein leises, durchgehendes Hintergrundrauschen das auf den Regen hinwies, der draussen auf das Fensterbrett tröpfelte.

 

„Weisste, ich seh raus auf die Gasse, und denk mir nix mehr wenn ich den Müll seh der da unten rumliegt. Mehr Sorgen mach ich mir um den Penner, der seit gestern vor meinem Hauseingang rumhängt, in seinem fettigen Mantel. Haste schon mal die Penner beobachtet? Ich tu’s, seit einigen Tagen. Da denkste dir ‚Armer Obdachloser‘, bis du die mal genauer anschaust. Die sin‘ nie ausgehungert und dürr, und die meisten Betteln nich‘ mal. Scheisse, woher kriegen die ihr Geld? Was essen die? Du hältst mich vielleicht für verrückt, aber ich habe Beweise! Das sin‘ keine Menschen, und wenn du jetzt lachst, frag dich mal wieso ich verschwunden bin, und du nur dieses Tonband bekommst.“

 

Der Atem des Sprechers beschleunigte sich während er sich mehr und mehr in Rage sprach, ein tiefes, zischendes Keuchen begleitete die nächsten Worte.

 

„Es gibt Wesen unter uns, die sind nicht menschlich! Ich hab sie gesehen! Scheisse, ich hab sie berührt! Ne‘ Leiche im Keller von der Düngerfabrik, du weisst ja wo ich arbeite. Ein Körper wie ein Mensch, aber die ganze Haut war mit Fell bedeckt! Langes, graues, dichtes Fell, wie von diesen Hunden, die aussehen wie Wölfe, mit der Kringelrute, Wolfsspitze heißen die. Naja, zumindest hatte er welches da wo noch was von der Haut übrig war. Total zerfleischt, Alter! Ich hab mir die Seele aus dem Leib gekotzt. Die Kehle war raus, hing weg wie ne Krawatte, bis in den Magen konnte man durch das Dings, die Speiseröhre sehen! Ein Arm hat gefehlt, und der Bauch war offen. Hätt der Kadaver nicht so unglaublich gestunken, und wär ich nicht heimlich da unten zum Kiffen gewesen, ich schwör dir, den hätte niemand gefunden! Aber ich hab Fell abgeschnitten, und ich werd damit zur Polizei gehen. Da geht was vor, ich schwörs dir!“

 

Tief ausatmend drückte ich auf die Stop-Taste des kleinen Diktiergerätes und lehnte mich in dem wackeligen Holzstuhl zurück, um zu meinem Gegenüber zu blicken. Mein Gegenüber war der Wohnungsinhaber, ein schmaler, bleicher, ungepflegter Kerl Mitte vierzig, mit Augen so dunkelbraun dass sie schwarz wirkten. Vor allem in diesem Moment schienen sie wie Kohlen aus seinem Gesicht herauszustehen, aber ich wusste dass es nur an der Hautfarbe lag, und der miserablen Beleuchtung. Ich blickte in das kalkweiße, fast bläuliche Gesicht, und dann tiefer. Henry, wie der Mann geheißen hatte, besaß ebenfalls keine Kehle mehr, denn ich hatte sie ihm vor keiner Stunde herausgerissen während er sich einen Joint gedreht hatte.

Er hatte mich nicht kommen sehen, und nicht kommen gehört, ein schneller, gnadenvoller Tod für einen Mann, der zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen war. Dummerweise hatte das Blut den gesamten Vorrat an Zigarettenpapierchen, Tabak und Cannabis vollgespritzt, sonst hätte ich mir seinen Joint genommen und fertig geraucht – gerade eben hätte ich den friedlichen Hype sehr gut gebrauchen können. So gab ich mich mit dem Zweitbesten in dieser Situation zufrieden, und stibitzte mit spitzen Fingern eine Zigarette aus dem Päckchen, das sich wie durch ein Wunder ausserhalb des Radius der blutigen Sauerei befunden hatte. Die Packung selbst nahm ich mir nicht – Rauchen war ungesund – aber das silberne, gravierte Zippo das darauf gelegen hatte steckte ich sehr wohl ein. „DARKNESS“ stand in gotischen Lettern quer über die Front geschrieben. Henry hatte das Zippo vermutlich in irgendeiner Kneipe gestohlen, denn bis auf das Kiffen erschien mir seine Wohnung nicht gerade aussergewöhnlich oder okkult.

Fleckige, beige Tapeten bedeckten die Wände, der Boden war mit grauem Linoleum gedeckt. Ganze Knäuel von Hausmulch sammelten sich in den Ecken und teilweise sogar an den Kanten zwischen Wand und Fußboden. Die Einrichtung selbst war eine Mischung aus 60er-Jahre-Mobiliar in weiß und gelb und Sperrmüll, den Freund Henry mit einigen Schrauben, Nägeln oder Gewebeband soweit zusammengeflickt hatte, dass er halbwegs nutzbar schien. Alles in allem war die Wohnung ärmlich, bewohnbar, aber nicht der Ort an dem man ein Zippo mit dem Aufdruck einer Metal-Band vermuten würde. So ein Feuerzeug war nicht Henry’s Stil.

Nach einem tiefen Zug von der Kippe lehnte ich mich zurück, und drückte die Zurück-Taste auf dem Diktiergerät. Ich hatte mir das Tonband sicher schon fünf Mal angehört, aber immer noch klang der Inhalt des Monologs einfach verrückt. Nicht die Sache mit den Haaren und der zerfleischten Leiche, darauf konnte ich mir sehr wohl einen Reim machen.

Es gab nicht viele Tote, deren Körper nach dem Ableben einen Pelz bekommen konnten wie er von Henry dem Verblichenen beschrieben worden war. Ich musste es wissen, ich war einer von den Wenigen, nur dass ich schwarzen, kurzen, sehr dichten Todespelz bekommen hätte, Pelz so schwarz dass er bläuliche Reflexe werfen würde wen Licht darauf fiel. Den glatten Pelz eines Panthers.

 

Ich bin ein Wechselbalg, ein fröhlicher Potpurrie aus Tier und Homo Sapiens, auch wenn ich die meiste Zeit aussehe wie ein Mensch. Wie sonst soll man sich unter den Menschen verstecken können, wenn nicht einfach in einer Camouflage die ihnen gleicht? Nicht wahr ist es jedoch, dass wir auch nur ansatzweise mit den Menschen verwandt sind, denn das sind wir nicht. Ich habe nie erfahren was der ganze Hintergrund meines Volkes ist, vermutlich weil es viel zu riskant wäre Jahrhunderte von Wechselbalg-Historie aufzuschreiben. Volkssagen können ausserdem nur schwer weitererzählt werden, wenn die verschiedenen Geschmacksrichtungen besagten Volkes den Großteil ihres Lebens damit verbringen, sich gegenseitig die Eingeweide rauszureissen. Ab davon wäre es unser aller Tod gewesen, hätte im Mittelalter irgendjemand verrückte Texte über Menschen, die keine Menschen sind, gefunden.

Die wenigen Geschichten die ich kenne erzählen entweder von alten Göttern die im Streit den perfekten Krieger für ihre Armeen schaffen wollten, oder aber vom alten Volk der Feen, das auch in den Sagen der Menschen ab und an erwähnt wird. Was von Beidem der Sache näher kommt weiß keiner, und diejenigen die sich mit der Erforschung dieser Theorien beschäftigen, sind eher darauf erpicht ihre Erkenntnisse als die einzige Wahrheit zu verkaufen, als wirklich herauszufinden was vor vielen tausend Jahren wirklich geschah.

Das ist es zumindest die Zusammenfassung dessen, was uns allen erzählt wird. Wie viel davon wahr ist, kann ich nicht beurteilen – und so sehr interessiert es mich nun auch wieder nicht.

 

Ich nahm die Kassette aus dem Diktiergerät, atmete eine Wolke blauen Rauches aus, und beobachtete die Qualmkringel dabei wie sie lautlos und geisterhaft durch die Luft schwebten. Die letzten Blutstropfen lösten sich mit auszehrender Langsamkeit von Henry’s herabhängender Luftröhre und segelten mit schwerem Platschen auf seine blutdurchweichte Hose, während leere, trübschwarze Augen mir entgegenstarrten. Kein Hauch von Leben war mehr in ihnen zu erkennen, kein Herzschlag mehr zu hören, keine Körpersäfte da, die noch kreisen konnten. Manchmal wachten Opfer von Wechselbalgen in den unpassendsten Situationen wieder auf, stellten fest dass sie gelyncht worden waren, und liefen als Wer-irgendwas Amok bis man sie nochmal umlegte, nur dann eben sorgfältiger – ein Werpanther mitten im Ghetto wäre alles, nur nicht amüsant gewesen. Ich steckte die Kassette in die hintere Hosentasche meiner schwarzen, ausgefransten Jeans, atmete tief durch, und drückte die Zigarette auf der versiegelten Plastiktischplatte aus. Der gute, alte, glücklose Henry würde nicht mehr von den Toten auferstehen, soviel war sicher, und damit war meine Arbeit hier vorerst erledigt. Die nun pressendere Frage war eher: Wer von meinen Brüdern war da ermordet worden, und wo war die Leiche hinverschwunden?

Der Blutgeruch von Henry’s Ableben begann in meiner Nase zu kitzeln. Zeit aufzubrechen bevor ich auf die Idee kam an ihm herumzunagen. Nach einem letzten, sichernden Rundumblick durch die ärmliche Küche wandte ich mich dem Fenster zu und öffnete es. Hier gab es nichts mehr zutun.

 

Der Fall über drei Stockwerke verging wie im Flug, der Aufprall stach in meinem Knöcheln und prickelte meine Oberschenkel hinauf, war aber kaum erwähnenswert. Ich hatte nicht widerstehen können, und mir die Zigaretten doch noch eingesteckt. Die Packung und das Zippo bildeten ein beruhigendes Gewicht in meiner Jackentasche, als wollten sie mich daran erinnern dass zumindest etwas an dem heutigen Abend gut gelaufen war.

Ich blickte mich kurz um, sah beide Seiten der schmalen, unbeleuchteten Seitengasse hinab, und richtete mich dann auf um dem schmutzigen sauren Regen entgegenzublicken, der aus dem bewölkten Himmel auf mich hinabpisste.

Mit einer Sache hatte Henry absolut Recht gehabt: Diese Welt bestand aus einem riesen Haufen frischer, dampfender Scheisse. Mit einem tiefem Durchatmen wandte ich den Blick vom Himmel ab und stapfte die dreckbedeckte Gosse entlang, dem Penner zunickend, der unter einem Stück Karton mit Fernseheraufdruck döste. Mein Boss Valente erwartete mich sicher schon sehnlichst, und nach dem Anblick von Henry’s aufklaffender Kehle hatte ich keine Lust noch mehr Blut zu sehen ohne zumindest irgendetwas gegessen zu haben.

Als ich am Ende der Gasse ankam hielt ich einen Moment im pechschwarzen Schatten der Hausecke inne. Nur noch wenige Sekunden bis zum Feuerwerk, aber genug Zeit mir eine Kippe anzustecken bevor ich wirklich hier wegmusste.

Das Zippo sprang mit einem betörend schönen Klang auf, die Flamme war ein stabiler, blaugelber Schein der mein Gesicht kurz beleuchtete. Während ich den ersten Zug machte, ertönte ein ohrenbetäubender Knall hinter mir. Die Explosion war laut genug um meinen Brustkorb zu erschüttern und mich unwillkürlich auskeuchen zu lassen, als die letzten Ausläufer der Hitzewelle gegen meinen Hinterkopf wehten. Ich setzte mich in Bewegung, wanderte die Strasse nach rechts entlang, und ignorierte die plötzlich aufbrandende Aktivität in den heruntergekommenen Wohnblocks um mich herum, als die Leute auf die Explosion und die rasch aufkommenden Flammen reagierten.

Die Polizei würde später ein Gasleck melden, das die Wohnung von Henry Fitzgerald zur Explosion gebracht hatte. Politiker würden ein Volksfest darüber feiern, dass sie einen Grund mehr gefunden hatten warum derartige Ghettoblöcke abgerissen und neu gebaut werden mussten. Um den Toten jedoch würde sich niemand scheren. Kein Grund für einen heruntergekommenen, arbeitslosen Kiffer eine Brandauslöseruntersuchung zu veranstalten, wenn alles so einfach sein konnte.

 

Knapp dreissig Minuten und eine U-Bahnfahrt später saß ich in einem kleinen Büro, dessen deckenhohe Holzvertäfelung von der Zeit so ausgedunkelt worden war, dass der Raum fast schwarz wirkte. Es war eines dieser alten, pseudoenglischen Lesezimmer, die bis zur Deckenvertäfelung hinauf Holz und nur Holz zeigten, und deren Wände vollständig mit irgendwelchen ledergebundenen Romanen und Fachbüchern bedeckt waren. Alles war perfekt, bis hin zur grün beschirmten Leselampe, die ihr schummriges Glühbirnenlicht über den Mahagonischreibtisch warf und sich auf dem verchromten Federhalter brach.

Ich bezweifelte dass mein Gegenüber, Agnos Valente, jemals auch nur eines der Bücher geöffnet hatte, von Lesen gar nicht zu sprechen. Im Stehen war der weißhaarige Kerl mit den buschigen Augenbrauen mindestens einen Kopf größer als ich, die Schultern massiv und breit wie die eines Gorillas, der ebenholzschwarze Körper fleischig und bemuskelt wie man es bei pensionierten Kraftsportlern oft sah. Mit so einem Körper war es schwer einen gut sitzenden Anzug von der Stange zu kaufen, aber ich war mir gleichzeitig relativ sicher dass dieses Problem nicht der Hauptgrund dafür war warum Valente einen zweitausend Dollar teuren Nadelstreifanzug trug. Selbst das schneeweiße Anzughemd, dessen gestärkter Kragen unter dem Druck seines Kehlkopfes auf und ab hüpfte wenn er sprach, war vermutlich mehr wert als meine gesamte Wohnzimmereinrichtung, und die senffarbene Krawatte mit den goldenen Streifen hätte mich vermutlich für einen Monat mit Mittagessen versorgen können.

Valente’s sichtbarer Reichtum war jedoch weder vererbt noch durch irgendeine glückliche Fügung entstanden. Er war den Gerüchten nach mindestens fünfhundert Jahre alt, konnte neidvoll gut mit Wertanlagen umgehen und hatte noch dazu keine Skrupel auch in dünklere Bereiche der Wirtschaft hinabzutauchen, wenn er dafür bekam was er wollte. Gott allein wusste welche verschlungenen Wege Valente genommen hatte um soviel Geld anzuhäufen, und der interessierte sich vermutlich nicht im Ansatz dafür was Agnos Valente, Nashorn-Wechselbalg und letzter Überlebender seiner Spezies, so trieb.

„Davy, wie schön dass du Zeit für mich gefunden hast.“ sprach Valente und lehnte sich in den ledergepolsterten Schreibtischsessel zurück, der wie für seine Masse geschaffen breit und ausladend hinter dem Tisch lauerte. „Ist alles gut verlaufen, ja?“

Seine Worte klangen ebenso höflich und korrekt wie er wohl mit einem reichen Geschäftspartner gesprochen hätte, eine der positiven Seiten an seinem sonst ziemlich schmutzigen Wesen. Mit Valente fühlte ich mich nie wie ein niedriger Gefolgsmann – zumindest solange er sich Angesicht zu Angesicht mit mir beschäftigte.

 

„Alles erledigt. Gasleck mal wieder, schlimme Sache, das Ganze. Ich bezweifle allerdings dass es weiter vorn als auf Seite 10 der Times landen wird.“ Die Worte auszusprechen verursachte mir spontane Gier nach einer Zigarette, aber Valente war Nichtraucher, und hätte mir vermutlich die Finger einzeln abgebissen wenn ich auf die Idee gekommen wäre mir in seinem Büro eine Kippe anzuzünden. Ich schob also die Hände zwischen die Knie, klemmte sie dort fest, und versuchte das Gewicht der Kippen in meiner Brusttasche zu ignorieren. Es gab in diesem Moment wichtigere Angelegenheiten als meine Süchte.

„Allerdings habe ich ein Tonband gefunden, auf das mein Ziel ziemlich seltsame Geschichten gesprochen hat. Dinge die dich vielleicht interessieren.“ Vorsichtig fummelte ich das winzige Aufnahmeband aus meiner hinteren Hosentasche, und legte es mit bedächtigem Klicken auf den Schreibtisch.

 

Valente’s hellbraune Augen folgten meiner Geste mit der nachdenklichen, unpersönlichen Gelassenheit eines Hundes, der abwägte ob es wert war dem dreisten Eindringling die Hand abzunagen oder nicht, fixierten sich dann jedoch auf das Tonband. Soweit ich wusste, hatte Valente erst einmal in einer solchen Situation wirklich zugebissen, und nach der entstandenen Sauerei beschlossen dass seine territorialen Instinkte es nicht wert waren, einen zehntausend Dollar teuren Mahagonitisch zu besudeln. Zumindest nicht wegen derlei Kleinigkeiten.

Einen weiteren nachdenklichen Atemzug später reckte er die rechte Hand nach vorne, presste zwei Finger auf das kleine Objekt, und zog es mit wisperndem Schaben quer über den Tisch zu sich. Ich konnte nie umhin Valente’s sorgsam berechnete Gesten mit größtem Interesse zu beobachten; alles an ihm schien so bedächtig und konzentriert, als traue er sich selbst zu etwas Unbedachtes zu tun. Gleichzeitig machte mich seine schiere Gelassenheit und das bedächtige Hantieren regelmässig verrückt. Während er das Diktiergerät sorgsam auf die Schmalseite aufstellte, und nach weiterem kurzen Abwägen auf die PLAY-Taste drückte, wollte ich ihm an die Kehle gehen, ihn schütteln und schreien „Mann, mach schneller!“.

Es wäre mein Tod gewesen. Stattdessen lehnte ich mich zurück und verhielt mich so still wie nur irgend möglich, ignorierte meine eigene Nervosität und den Schweiss der sich auf meinen Handflächen bildete, und ließ den Mann sein eigenes Tempo vorlegen.

Henry’s kratzige Stimme zerriss einmal mehr die Stille, untermalt vom leisen Sirren des Gerätes während es das Band abspulte. Einmal mehr hörte ich seine Geschichte, den Blick an die Decke gerichtet um nicht wie ein aufgeregter Welpe auf eine Regung in Valente’s Gesicht zu warten. Ich würde schon früh genug hören, was der Boss davon hielt.

Eine Schmeissfliege zog Kreise um das Kabel des Messing-Kronleuchters über uns, und ich beobachtete sie derart aufmerksam, dass ich die Stille im Raum nicht sofort bemerkte. Erst ein Räuspern von Valente liess mich zusammenfahren und diesem blinzelnd entgegenblicken.

 

„Wie geht es deinem Drogenkonsum, Davy?“ fragte Valente, die Hände vor dem Bauch ineinander gelegt, das Bild völliger Gelassenheit darbietend. Er musste mich schon eine Weile bei meiner Fliegenablenkung beobachtet haben, und seine Augen huschten suchend, bohrend über meine Miene. Ich hatte mich wieder einmal seltsam benommen, verdammt! Dabei hatte ich mir fest geschworen, keine Aufmerksamkeit mehr zu erregen!

 

„Uhm“ machte ich, als mir nicht sofort eine gute Antwort einfiel, und fuhr nach einem Atemzug hastiger fort „Ich bin clean, ehrlich. Du weisst ich erledige meine Jobs immer nur wenn ich clean bin. Ich halte mich auch daran, ich habs versprochen.“ Meine Hände schwitzten stärker, aber ich widerstand dem Drang sie aneinander zu reiben. Kein guter Moment um die Nervosität zu deutlich zu zeigen, nicht nach dem was vor fünf Monaten passiert war. Verdammtes Kokain.

 

„Du siehst müde aus, Davy. Ich will dass du heimgehst, dich ausschläfst, und vernünftig isst. Lass dir von Maude draussen fünfzig Dollar geben, und bring die Rechnung zurück wenn du morgen wiederkommst…  Ich denke diese Angelegenheit -“ die klobige Hand deutete kurz auf das Diktiergerät, „ist genau das Richtige für dich. Beschäftigung. Hilft gegen die Gier.“

 

„Um fünf wie gewöhnlich? Ich werde da sein.“ Ich bemühte mich darum nicht aus dem Sessel zu springen und zur Türe zu rennen, aber meine Unruhe war trotzdem deutlich zu bemerken als ich mich erhob. Ich wusste nicht so recht was an Valente mich jedes Mal derart aus der Bahn warf, aber seine pure Anwesenheit reichte aus um mich rastlos, unsicher und unendlich nervös zu machen. Vielleicht ein alter ‚Panther versus Nashorn‘-Konflikt, aber was auch immer es war, Valente schien mein Verhalten gänzlich dem Drogenmissbrauch anzurechnen. Vermutlich war es auch besser so, zumindest einer von uns benahm sich dadurch nicht wie ein instinktgesteuertes Wrack.

Ich verliess Valente’s Büro mit einem leisen Aufatmen, schloss die großen Flügeltüren vorsichtig, und lehnte mich einen Moment zusammensinkend dagegen. Hier aufzutauchen wäre soviel einfacher gewesen mit einer kleinen Nase voll Schnee, aber Himmel, Valente schien Drogen über Kilometer hinweg zu riechen, und er hätte mich in kleine Stücke zerlegt. Wirklich gut würde ich mich allerdings erst wieder fühlen wenn ich das Gebäude verlassen konnte, und mein Magen endlich etwas zu Verdauen erhielt.

 

Fünfzig Dollar hätten für einen anständigen Fix durchaus gereicht, aber es war nicht mein Geld. Maude würde später eine Rechnung und das Retourgeld verlangen, und konnte ich ihr eines der beiden Dinge nicht aushändigen, würde sie Valente alarmieren. Wann war ich in diese Lage gerutscht, in der ich von dem Mann der mich eigentlich bezahlen sollte auf meine Gesundheit überprüft wurde?

 

Es regnete immer noch, als ich die U-Bahnstation nahe dem Irenviertel im Ghetto verließ. Ein Fußmarsch von gut 15 Minuten erwartete mich bis zu meiner Wohnung, aber glücklicherweise musste ich dabei keinen Umweg machen, wenn ich mir etwas zu essen besorgen wollte – ein kleiner Burgerimbiss hielt sich seit Jahren wacker und starrsinnig gegenüber der U-Bahnstation, und bot die besten Burger im Umkreis von einigen Gehminuten an.

Mit fünfzig Dollar konnte man eine halbe Armee mit Burgern versorgen – oder aber einen ausgehungerten Wechselbalg. Meine „Supertalente“ kamen leider mit einem hohen Preis: Mein Stoffwechsel spielte regelmässig verrückt, und ließ mich Berge an Nahrungsmitteln verschlingen, ohne satt zu werden. Etwas anderes als Fleisch oder andere tierische Produkte brauchte ich gar nicht zu kaufen, wenn es darum ging mich satt zu bekommen. Ich konnte Obst und Gemüse zwar essen, aber es trug nichts zu meiner Ernährung bei, und sorgte in großer Menge verzehrt zumeist eher für krampfartige Magenschmerzen, die mich für einige Stunden hilflos machten.

Die Blicke des Kassiers waren amüsant, aber ich musste ihm zugute halten, dass er mit keiner Wimper zuckte, während er mir zwanzig doppelt belegte Cheeseburger in eine große Tüte packte, und zwei Flaschen Bier dazu stellte.

Beladen mit meiner Fresstüte marschierte ich wieder aus dem kleinen Imbiss, summte eine leise Melodie und angelte mit einer Hand nach einer der Bierflaschen, die ich mir auf dem Heimweg gönnen wollte. Ich hatte gute 20 Stunden Zeit dafür, mich ordentlich auszutoben und wieder halbwegs nüchtern zu werden, bevor ich wieder vor Valente stehen und gute Miene zum bösen Spiel machen musste, und ich war fest entschlossen, diese Zeit auch zu nutzen.

 

Dann allerdings drang etwas an mein Ohr, das meinen Abend effektiver ruinieren konnte, als jede Droge. Ein leises, kraftloses Wimmern erklang, leise genug dass kein Mensch in der Lage gewesen wäre, es zu hören.

 

Missbilligend kräuste ich die Nase, zog die Schultern etwas hoch, und konzentrierte meinen gesamten Willen darauf, weiterhin einen Fuß vor den anderen zu setzen.

 

Nicht dein Problem, Davy.

 

Gedämpftes, dreckiges Lachen folgte dem Wimmern kurz darauf, untermalt vom Scharren eines Schuhs auf dem Asphalt, und dann dem dumpfen Aufprallgeräusch, das nur ein Stiefel in weiches Fleisch erzeugen konnte.

 

Geh weiter. Das ist nicht dein Kampf. Es kann dir völlig egal sein. Geh heim. Geh essen.

 

Diesmal war es kein Wimmern, sondern ein rauhes, fast undefinierbares Aufschluchzen, das aus der nahen Seitengasse drang. Bevor ich mich noch einmal selbst schelten konnte, hatte mir mein Instinkt auch schon die Führung entrissen, und steuerte mich zielstrebig auf die Seitengasse zu. Normalerweise scherte sich der Kater in mir nicht im Geringsten darum, wer von wem in welcher Seitengasse ausgeraubt oder umgebracht wurde. Panther waren in dieser Hinsicht ebenso neutral wie jedes andere Raubtier, das beobachtete, wie ein Beutetier gerissen wurde. In diesem Fall jedoch schien irgendjemand meinen persönlichen Panther in schier lodernde Wut zu versetzen, und ich konnte nicht umhin zu vermuten, dass es sich dabei um etwas ganz und gar nicht logisch Erklärbares handeln musste.

 

Die Seitengasse war so schmal, dass kein Auto sinnvoll durchgepasst hätte, ohne einen oder zwei Rückspiegel zu verlieren. Es gab dutzende dieser Gassen im Ghetto, wo die Bauleute sich nicht so wirklich an ihre Baupläne halten hatten müssen, und die meisten Exemplare waren überfüllt mit Müll der nicht abgeholt werden konnte, alten Containern, Möbelresten, Pennern und natürlich den typischen Taschendieben. Diese spezifische Gasse war dabei um nichts besser als all die anderen. Drei verbeulte, mannshohe Blechcontainer, die irgendwann einmal dem Sammeln von Papier gedient hatten, verstellten mir die Sicht, verhinderten allerdings nicht, dass die leidenden Geräusche eines misshandelten Wesens an mein Ohr drangen.

„Bitte nicht! Bitte..“ wimmerte eine heisere, männliche und junge Stimme atemlos, nur um dann mit einem Angstlaut abzureissen, und von gepeinigten, gedämpften Schmerzlauten ersetzt zu werden, als der Angreifer einmal mehr dazu überging, Tritte sprechen zu lassen. Das dumpfe, harte Geräusch der Treffer gegen den Körper ließ mich die Zähne fletschen und das metaphorische Fell sträuben – eine weitere Reaktion, die ich in dieser Art noch nie empfunden hatte.

„Gib mir das Geld, Hosenscheisser, bevor ich mich dazu entschliesse, dass deine Organe doch mehr wert sind!“ grollte eine weitere männliche Stimme, die rauh von Alkohol und Zigaretten klang. Mit halb gebleckten Zähnen und blitzenden Augen duckte ich mich, stellte meine Tüte mit Fressalien vorsichtig auf dem Boden ab, und schlich dann leise und witternd näher. Ob in Menschenform oder in Pantherform, die Stärke der Sinneswahrnehmungen war nur geringfügig unterschiedlich, und ermöglichte es mir, die Lage und Position meiner zwei Zielobjekte halbwegs akkurat abzuschätzen. In Pantherform wäre es natürlich um einiges einfacher gewesen, alleine schon wegen der Kletter- und Pirschfähigkeiten, allerdings wollte ich nicht riskieren dass einer der Beiden mir entkam, und Alarm schlug.

Vorsichtig ging ich neben dem letzten Container in die Hocke, lehnte mich ein kleines Stück weit zur Seite, und warf einen Blick auf die Szenerie vor mir.

 

Der Mann mit der rauhen Stimme trug abgetakelte, alte Jeans, billige hellbraune Lederstiefel die er nicht geschnürt hatte, und ein blaugrünes Flanellhemd, das mehr Flecken als saubere Stellen aufwies und sich obszön über seinem schwartigen Bierbauch spannte. Die braunen Haare waren fettig und halb von einer gestrickten Wollmütze verborgen, das Kinn von einem drei-Tage-Bart bedeckt, die Fingernägel ungeschnitten und gelb verfärbt. Der Kerl ekelte mich mit seinem blossen Aussehen bereits an.

Auf dem Boden vor ihm kauerte ein zarter, junger Kerl mit sandfarbenem Haar, eingefallenen Wangen und großen, geisterhaft grünen Augen. Der Junge sah aus wie 16, allerdings nur auf den ersten Blick – dem Geruch nach musste er bereits in voller körperlicher Reife sein. Ich hätte dem Duft nicht einmal entgehen können wenn ich gewollt hätte, denn der arme Kerl hatte sich vor Angst regelrecht bepisst. Die Luft war erfüllt vom Geruch nach Urin, Angst, Schweiss und Erbrochenem, und ich versuchte gar nicht erst mir auszumalen was hier vorgefallen war. Jedes Mal wenn der fette Kerl sich bewegte oder sprach, zuckte das kleine Bündel Elend zu seinen Füßen heftig zusammen, stiess leise Angstlaute aus, und hob die dürren, mageren Hände vors Gesicht.

„Ich hab‘ keins mehr, ich schwöre es!“ wimmerte der Junge nun, schniefte lautstark, und hob den Blick tapfer zum Gesicht seines Angreifers. Sein Mut beeindruckte mich in dieser Situation. Wäre ich ein so kleiner, zarter Kerl und hätte mir gerade eine solche Tracht Prügel eingefangen, ich hätte es wohl nicht gewagt, danach noch einmal aufzusehen. „Du hast gesagt ich soll mich sattessen gehen, ich.. ich hatte Hunger!“ keuchte der Junge zitternd, und verkrampfte sich in Erwartung der nächsten Prügel. Eine weise Entscheidung.

Fettklops verspannte die Schultern vor Zorn, und es wurde offensichtlich dass er dem Knirps kein Wort glaubte. „Zwanzig Dollar!“ brüllte er, hob einen Stiefel, und verpasste ihm einen heftigen Tritt in den Magen. Ich krümmte mich alleine vom Zusehen, aber der Junge stieß nicht mehr als ein hustendes Ächzen aus. „Du hast zwanzig Dollar verfressen? Willst du mich verarschen? Seh ich bescheuert aus? Du mieser, kleiner, …“

Inzwischen untermalte der speckige Kerl jedes zweite Wort mit einem weiteren Tritt, und ich hörte wie er mindestens zwei der Rippen des Jungen brach. Die zarte Gestalt regte sich nicht einmal mehr, schien das Bewusstsein verloren zu haben, und nahm die Tritte einfach hin. Vermutlich würde der Kerl ihn zu Tode prügeln, und es nicht einmal bedauern.

Ich hatte genug gesehen.

 

Lautlos drückte ich mich hoch, pirschte mit der unmenschlichen Schnelligkeit die nur die Wechselbälger aufwiesen hinter den Schläger, und packte seinen Kopf um ihm mit einem energischen Ruck den Nacken zu brechen. Die ganze Tat dauerte keine drei Sekunden, dann schlug sein massiger Leib auf dem Boden auf, und ich fragte mich ernsthaft warum ich das getan hatte. Warum hatte ich mich eingemischt?

Mein Blick huschte zu dem reglosen Leib des Jungen hinab, und ich machte einen Schritt über den noch warmen Leichnam des Schlägers, um vor dem verprügelten Leib in die Hocke zu gehen. Mit einer Hand fühlte ich seinen Puls, mit der anderen tastete ich über seine Taschen, um nach einem Ausweis zu suchen, fand jedoch nur eine Handvoll Dollar – zwanzig Dollar um genau zu sein. Diese kleine gerissene Ratte hatte also trotz der Prügel noch tapfer weitergelogen!

Grinsend hielt ich mir das Geld unter die Nase, tippte damit gegen meine Oberlippe, und witterte daran.

 

Wechselbalg. Einer von uns.

 

Die Erkenntnis durchfuhr mich wie ein Blitzschlag. Das war also der Grund gewesen, warum ich nicht an der Szene vorbeigehen hatte können. Der Geruch fesselte mich, und ich schnupperte weiter an den knittrigen Scheinen, während ich den schwachen Puls an seinem Hals verfolgte, und feststellte dass der Junge wohl gerade noch einmal Glück gehabt hatte. Wieso ließ sich ein Wechselbalg so behandeln, und noch dazu von einem Menschen? Der Junge hätte den Schläger trotz seiner relativ ausgehungerten Statur ohne Probleme in Fetzen reissen können – warum also hatte er es nicht getan?

Und was sollte ich nun tun?

 

Seufzend steckte ich mir das Geld ein, beugte mich dann vor und hob den zerschlagenen Leib des Jungen vorsichtig in meine Arme. Ich konnte ihn hier nicht liegen lassen, wollte es auch nicht, also würde ich ihn wohl oder übel mit nach Hause nehmen müssen. Sein Leib fühlte sich leicht wie Federn in meinen Armen an, und der Zustand seiner Abmagerung entlockte mir ein leises Grollen. Ich selbst war bereits an der Grenze zum Asketischen mit meinen 73 Kilogramm, aber dieser Welpe musste nur noch aus Haut und Knochen bestehen!

Nach einem kurzen Zwischenstopp neben meiner Fressalientüte, die ich einfach auf dem Bauch des Jungen platzierte um Beides auf einmal tragen zu können, lief ich den restlichen Weg zu meiner Wohnung in einem Tempo, das irgendwo zwischen Gehen und Rennen anzusiedeln war. Der Drang den Jungen fest an mich zu pressen war dabei nur schwer zu unterdrücken, aber nachdem ich zuvor seine Rippen brechen gehört hatte, hielt ich mich selbst im Zaum.

 

Ich brachte ihn direkt in mein Schlafzimmer, drapierte ihn vorsichtig auf mein altes, klappriges Einzelbett, und bleckte die Zähne missgestimmt als sein kleiner Körper fast im Bettzeug verschwand. Die Verletzungen die er abbekommen hatte würden unter normalen Umständen in kaum drei Stunden heilen, aber ich konnte am Ernährungszustand seines Körpers ablesen, dass es in diesem Fall länger dauern würde – und mehr schmerzen würde.

Solange er allerdings nicht aufwachte, konnte ich nichts für ihn tun, ausser zu warten, und meinen eigenen Hunger zu stillen. Mich satt zu essen würde nun wohl nicht mehr möglich sein. Der Kleine sah aus als hätte er Nahrung wesentlich dringender nötig als ich, aber ich war deshalb nicht zornig, obwohl ich normalerweise berüchtigt für meinen Futterneid war. Seufzend verzog ich mich in die Wohnküche, und machte mich über meinen Teil des Abendessens her.

 

*

 

Ich war versunken in den Genuss meiner Zigarette, als ich ein leises Geräusch aus dem Nebenraum hörte. Der Junge war offenbar aufgewacht, und so leise aus dem Bett gerollt, dass es für einen normalen Menschen unhörbar gewesen wäre. Teufel, sogar ich hätte es fast überhört, und ich war eigentlich ausgebildet dazu, solche kleinen Details zu bemerken!

Aufschmunzelnd lehnte ich mich in dem klapprigen Holzsessel zurück, der meinen ebenso klapprigen Küchentisch wie ein waidwundes Flaggschiff säumte, und schwang die Beine auf die Tischplatte. Er würde versuchen zu laufen, zu flüchten, und das in seinem Zustand – zumindest der Wille zu leben schien tief in seinen Verstand imprägniert zu sein. Es machte mich auf undefinierbare Art stolz, als sei ich der Vater eines wohlgeratenen Kindes.

Ein leises Klappern wies darauf hin, dass er die stabilen Einbruchschutzgitter an den Fenstern des Schlafzimmers entdeckt hatte, und wenige Sekunden darauf erklang das selbe Geräusch aus meinem winzigen Badezimmer. Breit grinsend versuchte ich mir auszumalen, wie dieses zarte Geschöpf an den Gitterstäben hing und verzweifelt daran zerrte, nur um festzustellen dass es keinen Ausweg auf diese Art gab. Zugegeben, ein klein wenig sadistisch war meine Schadenfreude an seiner Lage schon, aber was war das Leben schon ohne ein wenig Spass?

Während mein Hausgast wider Willen so angestrengt versuchte, aus seinem Gefängnis zu entkommen, dämpfte ich die Kippe aus, und zog die Papiertüte mit den 10 restlichen Burgern zu mir. Der erste Eindruck war besonders wichtig, und aus irgendeinem diffusen Grund wollte ich sicher stellen, dass der erste Eindruck meines Gastes genau der richtige war.

 

Als die Schlafzimmertüre sich 10 Minuten später einen Spalt weit öffnete, und das Licht der Hängelampe meiner schäbigen Wohnküche sich irisierend in den bleichgrünen Augen des hinter der Türe verborgenen, mageren Burschen fing, lagen die 10 Burger sorgsam aufgereiht auf dem Küchentisch, so nahe wie möglich am Schlafzimmer, und so weit wie möglich von mir entfernt. Inzwischen musste der Junge auch festgestellt haben, dass er bei einem Wechselbalg gelandet war, immerhin klebte mein Geruch überall, und Panther tendieren zum Markieren ihres Reviers. Glücklicherweise für mich und meine Wohnung war ich zumindest über die Phase des Türstockbepinkelns hinaus gekommen – ein paar Tropfen Ejakulat hier und da hatten den selben Effekt, stanken aber nicht so bestialisch wie Katzenpisse.

Ich versuchte gar nicht erst den Eindruck zu erwecken, ich hätte ihn nicht bemerkt. Er war sicher nicht dumm, und es wäre eine Kränkung gewesen, hätte ich ihn ignoriert – immerhin wollte ich ja etwas von ihm, deshalb war er hier, und nicht unten in der Gosse um für sich selbst zu kämpfen. Ich saß also gegenüber dem Stapel kalter Burger, starrte den Spalt Türe und den kleinen Ausschnitt Gesicht an den ich entdecken konnte, und wartete. Ich war nie sehr gut in Geduldspielen gewesen, und das lag nicht nur an den Drogen, die ich in schöner Regelmässigkeit konsumierte – es war einfach nicht meine Stärke, lange tatenlos herumzusitzen. Dennoch war ich selbst von meinem Langmut erstaunt, als der Junge nach 10 Minuten immer noch starrte und beobachtete, und ich trotzdem damit zufrieden war, ihn anzusehen und abzuwarten.

Endlich schien er sich zu entscheiden, und zog die Türe langsam und vorsichtig weiter auf, um sich langsam ins Wohnzimmer zu schieben, und mir einen weiteren Ausblick auf seinen mitleiderregenden Leib zu gönnen.

Er war um die 170 groß, so schmutzig dass ich helle Streifen an seinem Hals sehen konnte wo der Angstschweiss in Bächen an seinem Körper hinabgeflossen war, und so abgemagert, dass er skelettartig dürr wirkte. Seine Augen waren groß, die Augenwinkel aussen etwas nach oben gezogen sodass er ein leicht orientalisches Aussehen hatte, die Lippen trotz seiner Aushungerung voll und weich, die Nase etwas breit aber wohlgeformt und flacher als meine eigene Nase. Seine Schultern wirkten schmal, vermutlich hätte er auch mit Fleisch an den Rippen verdächtig androgyn ausgesehen, und seine schulterlangen sandfarbenen Haare halfen nicht wirklich dabei, ihn männlicher wirken zu lassen.

Während ich ihn musterte, konnte ich seine Augen über meinen eigenen Leib wandern spüren. Mit 178 Zentimetern Größe ragte ich nicht wirklich über ihn hinaus, konnte aber im Stehen vermutlich dennoch auf ihn hinabsehen. Ich beobachtete, wie er mein schwarzes, gerade mal bis zu den Schläfen reichendes Haar musterte, meine grauen Augen kurz mit einem Blick streifte, der regelrecht durch mich hindurchging, und dann tiefer blickte, um meinen athletischen, agilen Leib zu begutachten. Ich hatte mich eine Weile lang nicht mehr genau im Spiegel betrachtet, aber ich wusste dass mein Körper an sich ein Kunstwerk war – schmal, schlank und muskulös in einem, ein Widerspruch in sich, wie so Vieles an mir. Dann huschte sein Blick wieder zu meinen Augen, und ich konnte sehen wie Resignation und Verschlossenheit in seinen Geist Einzug hielten.

Ich war definitiv nicht die erste Person, die ihn von der Straße aufgesammelt hatte, und die Männer vor mir hatten es ebenso definitiv schamlos ausgenutzt, ihn bei sich zu haben.

 

„Wer sind sie, und wie komme ich hier her? Wo ist Buck?“ fragte er etwas monoton, die Stimme rauh von den Prügeln die er zuvor eingesteckt hatte. Sein Tonfall sprach mehr zu mir als die desinteressiert wirkenden Worte. Er hatte nicht miterlebt, wie ich seinen Peiniger getötet hatte, und er nahm offensichtlich an, dass dieser in der Nähe war. Hmmm.

 

„Buck dein Zuhälter?“ riet ich ins Blaue, ohne eine Miene zu verziehen, und verschränkte die Finger gemächlich über dem Bauch ineinander, als sei ich voll im Bilde. Ja, klar.

Das Zucken in seiner Miene beantwortete meine Frage jedoch, noch bevor er die Augen etwas verdrehen und abfällig schnauben konnte. Ich hatte genau ins Schwarze getroffen mit meinem kleinen Ratespiel.

 

„Fein, dann eben nicht.“ murrte er, und wäre da nicht das leichte Zittern in seiner Stimme gewesen, ich hätte nie bemerkt wie aufgebracht und verängstigt er wirklich war. „Dann sagen sie mir wenigstens, wofür sie bezahlt haben? Er hat sie übers Ohr gehauen, nur damit sie’s wissen. Ich schaffe nicht mehr an.“

 

„Hast du das gerade eben beschlossen?“ erwiderte ich, zog eine Augenbraue hoch, und verkniff mir mit aller Macht ein schäbiges Grinsen. Ich wollte nett sein, und ich gab mir alle Mühe, aber es war das Schwerste, was ich seit Langem zu tun versucht hatte. Sein kämpferischer Blick war ein Augenschmaus, und wenn ich ihn piesacken musste um mehr davon zu sehen, sollte es eben so sein.

 

Sein Kehlkopf hüpfte, als er krampfhaft schluckte. Er musste die vielen Burger riechen, wagte es aber nicht den Blick von mir zu lösen. „Ich gehe jetzt besser, okay?“

Mit diesen zaghaften Worten begann er auf die nächstbeste Türe zu zu humpeln, blickte dabei immer wieder aus den Augenwinkeln zu mir, und wirkte verkrampft als sei er auf die nächste Runde Prügel eingestellt. Es brach mir das Herz den Jungen so verängstigt zu sehen.

Kurz bevor er die Türe erreichte, schwang ich die Beine vom Tisch, und seine Reaktion war blitzschnell – er begann zu rennen, griff nach dem Türgriff, und zog daran. Zähnebleckend schoss ich nach vorne, stemmte eine Hand und das Gewicht meines Körpers gegen die Türe, und ließ sie krachend wieder ins Schloss knallen, noch bevor er zur Türe hinaus huschen konnte. Mit einem eindeutigen Angstlaut sprang er zurück, und taumelte tiefer in den Raum bis der Tisch zwischen mir und ihm war.

Seine Angst war so überwältigend, dass der Geruch meine winzige Wohnung überflutete, und mich für einen Moment atemlos die Augen schließen ließ. Die Angst eines Menschen war berauschend, erregend, und erweckte Hunger in mir, aber die Angst eines Artgenossen weckte nur zwei Dinge: Entweder meinen Reviertrieb, und damit einen sofortigen Angriff, oder aber einen Beschützerinstinkt, den ich allerdings nur für Vertraute, für Rudelmitglieder empfinden konnte. Ich stellte mich für einige Sekunden auf das Schlimmste ein, verharrte stocksteif an der Türe und versuchte so flach wie möglich zu atmen während ich auf diesen Schub von Aggression wartete, der den Reviertrieb normalerweise begleitete, nur um feststellen zu müssen, dass nichts kam. Gar nichts.

Blinzelnd öffnete ich die Augen, leckte mir über die etwas tiefer ragenden Eckzähne, und raunte dann leise und konzentriert, „Setz dich, und iss. Ich beantworte dir für jeden Burger den du isst genau eine Frage.“

Ich konnte die Zahnräder hinter der Stirn des Jungen arbeiten hören, wagte es aber nicht mich zu bewegen, solange er sich nicht etwas beruhigt hatte. Schliesslich seufzte er leise, als sei es eine besonders hinterhältige Folter, etwas essen zu müssen, und näherte sich mit linkischen Bewegungen dem Tisch, um sich zu setzen. „Sind da Drogen drin, hm?“ fragte er mit einer harten, desinteressierten Stimme, die mir deutlich machte dass dieser Junge bereits zuviel in seinem Leben gesehen und erlebt hatte. Zumindest aber brach es die Starre, in die ich versunken gewesen war.

„Das ist die erste Frage. Ob Drogen drin sind oder nicht, du musst den Burger essen bevor ich sie beantworte, und ich schätze sobald du das tust, hast du sowieso bessere Fragen als die.“ erwiderte ich, insgeheim erleichtert ausatmend als die Angst sich etwas legte. Ich musste meine Schultern etwas rollen um wieder etwas wie Entspannung zusammen zu bekommen, dann näherte ich mich langsam und übersichtlich dem Tisch, und setzte mich wieder an meine Seite, wo er mich im Auge behalten und meine Bewegungen beobachten konnte.

Für einen kurzen Moment huschte Hass über seine Miene, Hass auf mich weil ich ihn in diese potenzielle Falle tappen ließ, und Resignation darüber, dass er sich bereits relativ sicher war, was die Antwort gewesen wäre. Dieser Junge hatte keinerlei Vertrauen mehr in seine Mitmenschen, und schämte sich nicht dafür es auch zu zeigen. Dann aber gewann der Hunger, und er schnappte sich den ersten Burger um ihn gierig und ungezügelt herunterzuschlingen. Noch während er am letzten Bissen kaute, fanden die grünen Augen wieder mein Gesicht, und er murmelte schluckend, „Also, was ist drin? Haschisch? Heroin? LSD? Psychedelische Pilze?“

Er wollte also doch eine Frage an diesen Unfug verschwenden. Seufzend räkelte ich mich zurecht, und leckte mir die Lippen um den Drang nach einer Zigarette zu unterdrücken. Ich hasste diese Impulse, die mich immer überkamen wenn es um Drogen ging, oder ich nervös wurde – oder wie in diesem Fall eben beides.

„Nichts. Absolut gar nichts. Ich hatte sie eigentlich für mich gekauft, aber du sahst aus als hättest du etwas im Magen dringender notwendig als ich.“

Sein Blick sagte mir eindeutig, dass er mir nicht glaubte, oder einfach nicht glauben konnte, dass es so etwas wie Samaritertum auf dieser Welt gab. Dennoch schniefte er nur abschätzig, nahm den zweiten Burger auf, und verschlang auch diesen in Rekordzeit, bevor er mich wieder ansah, und weiter fragte. „Wie also bin ich hier her gekommen, wenn nicht mit Buck?“

Sein Augenkontakt gefiel mir, vor allem dass er mich jedes Mal direkt ansah, wenn er zu mir sprach. Was auch immer dieser Buck-Typ mit ihm getan hatte, es hatte nicht ausgereicht, um den Willen dieses kleinen Wildfangs zu brechen. Ich fühlte meine Mundwinkel kribbeln, und wusste dass ich wohl instinktiv schmunzelte. „Ich war auf dem Weg nach Hause, mit einer Tüte wundervoller Burger, und fest davon überzeugt dass nichts und niemand meinen Abend voller Spass stören könnte. Dann aber ging ich an dieser Seitengasse vorbei, und hörte seltsame Geräusche, also ging ich nachsehen. Das ist normalerweise nicht meine Art, du weisst ja wie wir sind, Einzelgänger soweit möglich.. Aber mein Instinkt sagte mir, dass etwas nicht stimmt. Ich habe also gewittert, und gelauscht, und mitangesehen wie dieser Buck dir Gottesfurcht einzuprügeln versucht hat. Es hat mir nicht gefallen, also habe ich ihn beseitigt, und dich mitgenommen. Und hier sind wir nun.“

Ich glaubte ja, dass meine Worte sachlich und neutral genug gewesen waren, aber etwas in der Miene des Jungen zeigte mir, dass er wusste wovon ich sprach: Mord. Simpler, kaltblütiger Mord für jemanden, den ich noch nicht einmal kannte.

Stumm beobachtete ich, wie seine Finger den nächsten Burger fester umfassten, wie er mit sich ringen musste überhaupt hineinzubeissen, weil seine Angst ihm den Magen und die Kehle zuschnürte, und leckte mir erneut die Eckzähne. Ich hatte mir vor einigen Monaten geschworen, meine impulsivere Seite zu kontrollieren, nicht mehr sofort nach Drogen zu greifen wenn ich nicht ganz auf der Höhe war, aber dieses Gespräch war nicht nur für den Jungen, sondern auch für mich eine Folter. Am liebsten hätte ich den Burger gepackt und ihn seinen Hals hinunter gestopft, nur um endlich weiter sprechen zu können, aber ich verhielt mich ruhig. Der Junge war schon verschreckt genug.

Endlich hatte er den dritten Burger verspeist, leckte sich die Finger, und murmelte dann unsicher „Was genau meinen sie mit ‚wir‘ denn? Wir wer?“ Wieder fanden seine Augen dabei mein Gesicht, suchten nach Regungen, die ihm Aufschluss über meine Laune geben konnten, und ich traute mich zu wetten dass dieser Junge in der Mimik von Menschen zu lesen wusste wie in einem offenen Buch.

„Wechselbälger eben. Du, ich, die ganzen anderen Pelzknäuel. Wir.“ erwiderte ich, und starrte dabei zugegebenermaßen etwas abgelenkt auf seine herrlich volle Unterlippe, an der ein einsamer Tropfen Ketchup hing, und mir regelrecht zuwinkte. In Gedanken leckte ich ihn von seiner Lippe. In der Realität spürte ich, wie meine Hose sich ausbeulte, als seine eigene zartrosa Zunge zwischen den Lippen hervorhuschte, und den roten Tropfen auffing. Es war schwer in diesem Moment nicht über den Tisch zu hechten und ihn gegen die Wand zu drücken, aber es hätte meinem Image sicher nur noch mehr Schaden zugefügt, das zu tun.

Seine Finger kamen auf Burger Nummer vier zur Ruhe, aber er hob ihn nicht an, sondern warf mir nur einen seltsamen, irritierten Blick zu, den ich zuerst nicht deuten konnte.

„Was ist ein Wechselbalg?“ fragte er dann leise und vor Neugier impulsiv.

 

Scheisse. Er weiß nicht was er ist.

 

Am liebsten hätte ich mich selbst geohrfeigt. Ich hatte alle Zeichen gesehen, aber sie nicht erkannt, alle Warnungen ignoriert, und war blauäugig – nein, mit rosaroter Brille beschlagen! – in mein Unglück gelaufen. Der Kleine war ein sogenannter Wildfang, ein Wechselbalg der warum auch immer niemals entdeckt hatte was er konnte, was er war, und was es bedeutete. Nicht nur galt jeder Wildfang als höchstes Sicherheitsrisiko für die gesamte Gemeinschaft, sie galten zusätzlich auch noch als gefährlich und nicht lebensfähig. Die meisten dieser armen Kreaturen wurden verrückt oder begingen Selbstmord, sobald sie ihre natürlichen Eigenschaften endgültig entdeckten, und hinzu kam, dass sie zumeist bereits vom Leben so geschädigt worden waren, dass für sie sowieso nur noch der Gnadentod blieb. Und ich hatte eine dieser Kreaturen in mein Haus geschleppt. Sein versautes Leben – und seinen Tod, wenn es dazu kam – zu meiner Verantwortung gemacht. Scheisse.

 

Offenbar konnte der Junge auf meiner Miene lesen, in welcher Gefahr er sich plötzlich befand, denn anstatt ahnungslos weiter Burger zu vertilgen sprang er auf, taumelte zurück und hob dabei beide Hände abwehrend. Seine Stimme zitterte vor Angst, als er leise wimmerte „Hör mal, egal was du denkst, ich werde niemandem etwas sagen, okay? Ich schweige wie ein Grab, ich weiß nicht mal wovon du redest… Bitte bring mich nicht um!“

Ich hatte mich nicht wirklich bewegt, ihm kein deutliches Zeichen dazu gegeben, worüber ich nachgedacht hatte, aber irgendetwas an mir musste es ihm verraten haben. Verdammt. “Wie kommst du darauf, dass ausgerechnet ich dich töten will, hm?” knurrte ich, auch wenn ich wusste dass es auf diese Frage keine Antwort geben würde.

Es war um soviel leichter, jemanden zu töten wenn er es nicht kommen sah, und so oft ich Flehen um Gnade zu hören bekam, ich konnte es immer noch nicht ignorieren. Gegen manche Dinge war man eben einfach nie abgestumpft, und für mich war Todesangst diese Schwäche. Außerdem schien es eine Schande, ihn erst mit meinen geliebten Burgern zu füttern, nur um ihm dann den Hals umzudrehen, wie eine Galgenmahlzeit. Klar, Davy, wegen der Burger willst du ihn nicht umbringen, rede dir das nur weiter ein.

Während ich versuchte, ihn nicht allzu direkt anzustarren und ihn gleichzeitig nicht aus den Augen zu verlieren, schob der Junge sich mit Schnappatmung und rasendem Puls an der Wand entlang, zuerst zurück auf die Schlafzimmertüre zu, dann aber daran vorbei und weiter auf den Durchgang zu, der in mein Wohnzimmer führte. Dort waren zwar auch alle Fenster vergittert, aber wenn er verrückt genug war, konnte er sich mit seiner zarten Gestalt vielleicht durch die Gitter am Balkon zwängen, und dann würde ich ihn durch die ganze Stadt jagen müssen. Ich hatte keine Lust, meine Nacht so zu verbringen.

Glücklicherweise war der Junge nicht der Einzige mit Menschenkenntnis. Ich sah seine abwägenden Blicke, so gut er sie auch zu verbergen versuchte, und musste für einen Moment mit einem Schmunzeln ringen. Es war ein guter Plan, den er sich da ausgesucht hatte, und er konnte nicht ahnen, dass er es nicht mit einem Menschen zutun hatte.

Seine knochigen, mageren Finger berührten den Lichtschalter, und noch während die Wohnung in Finsternis getaucht wurde, flüchtete er ins Wohnzimmer. Ich war auf den Füßen bevor meine Augen sich an die Dunkelheit gewöhnt hatten, aber noch hatte ich keine Eile. Es gab nur zwei Wege aus dieser Wohnung, und einer davon lag neben mir. Der Junge würde versuchen, die Eingangstüre zu erreichen, und sich erst dem Balkon zuwenden, wenn er in die Enge getrieben wurde. Jeder vernünftige Mensch würde so handeln, und mein Kleiner schien einen kühlen Kopf zu bewahren, selbst wenn es um sein Leben ging.